Explorative Studie zum Musiklehrkräftemangel
„Und da ist Lehramt ein super Beruf, der auch einfach super Spaß macht [...] und man macht trotzdem Musik [...].“
Explorative Studie zum Musiklehrkräftemangel und zum Rückgang der Studierendenzahlen – Teilstudie HfMDK
Hintergrund und Ziel
Ein Thema, das Musikhochschulen und Universitäten aktuell beschäftigt, ist der Rückgang der Zahlen von Bewerber*innen für das Lehramt Musik. Um gezielt Ideen und Maßnahmen zur Gewinnung potentieller Bewerber*innen entwickeln zu können, ist es unabdingbar, die Gründe für diese Situation zu verstehen. Aus der Initiative der AG Schulmusik ist daher der Plan für eine bundesweite empirische Studie entstanden, an der sich Musikpädagog*innen aller Hochschul- und Universitätsstandorte durch Einzelstudien beteiligen können.
Forschungsfragen
• Welche kollektiven Wissensbestände und stereotypen Berufsvorstellungen haben Schüler*innen und Studierende in Bezug auf den Beruf einer Musiklehrkraft und eines Lehramtsstudiums Musik?
• Inwiefern lassen sich unterschiedliche Typen von kollektiven Sinnmustern identifizieren?
• Welche Hürden existieren für die Aufnahme eines Musiklehramtsstudiums?
Methode
Das methodische Vorgehen der Frankfurter Teilstudie folgt der qualitativen Inhaltsanalyse nach Udo Kuckartz und Stefan Rädiker. Die Datenerhebung erfolgte mittels leitfadengestützter Einzel- und Gruppeninterviews. Für die Gruppeninterviews wurden je ein Leistungs- und Grundkurs im Fach Musik, eine Seminargruppe von Lehramtsstudierenden im gymnasialen Studiengang mit Fach Musik und eine Gruppe mit Studierenden im Grundschulstudiengang aus dem vertiefenden Wahlpflichtkurs zur Ästhetischen Bildung im Fach Musik ausgewählt.
Ergebnisse
Kollektive Wissensbestände und stereotype Berufsvorstellungen beziehen sich auf unterschiedliche Interessensgruppen. Die Grundschul-Studierenden und Schüler*innen im Grundkurs verfügen über eher diffuse und kaum ausgeprägte Informationen über das Musiklehramtsstudium und die Eignungsprüfung. Vorhanden sind hier Berufsvorstellungen allgemein zum Beruf der Lehrkraft, die – im Falle der Grundschul-Studierenden – äußerst positiv bzw. – im Falle der Oberstufenschüler*innen – eher negativ konnotiert sind.
Unterschiedliche kollektive Sinnmuster lassen sich im Blick auf die Studierenden für das Lehramt an Gymnasien beschreiben. Hier fällt die Trennung zwischen Studium und Berufsabsicht auf und die Favorisierung des Studiengangs aufgrund der inhaltlichen, musikalisch-fachlichen Breite.
Die Ergebnisse zur Frage nach den Bildern von Eignungsprüfungen fallen am detailliertesten aus. Grundsätzlich wird die Eignungsprüfung von allen interviewten Personen als große Hürde wahrgenommen. Bei den Aussagen fällt generell eine große Unkenntnis über die Abläufe und Inhalte auf. Diese ist bei den Grundschulstudierenden und Schüler*innen besonders ausgeprägt und mag ein Grund für die abschreckende Wirkung der Eignungsprüfung sein.
Aus den Ergebnissen ergeben sich Hinweise auf Zusammenhänge mit der Gestaltung des Musikunterrichts. Durch diesen werden das Fach Musik und der Beruf der (Musik-)Lehrkraft offenbar als wenig attraktiv vermittelt. Eine der Ursachen liegt in verschiedenen Vorstellungen von Schüler*innen und Lehrkräften zu interessanten Inhalten des Schulfachs (Musikauswahl, stilistische Vielfalt, Einbezug populärer Musik), eine andere in dessen Schwerpunkt vor allem auf theoretischen Themen. Vor allem die Schüler*innen des Grundkurses entwerfen in den beiden Interviews ein sehr detailliertes Bild ihrer Vorstellungen guten Musikunterrichts.
Dokumentation
Erste Ergebnisse der Studie konnten beim Tag der Forschung 2023 an der HfMDK und in Form einer Poster-Präsentation bei der Tagung der Bundesfachgruppe Musikpädagogik am 16. Februar 2024 in Siegburg vorgestellt werden.
Aus den mittlerweile eingereichten Ergebnissen aller Teilstudien wird bis Mai 2024 eine Metastudie erstellt werden. Alle Mikrostudien werden im Sommer in der Zeitschrift „Diskussion Musikpädagogik“ erscheinen.
Dank
Wir danken der Forschungskommission sehr für die Förderung des Projekts und Eva Henninger, Julia Hoffmann und Felix Ohlemüller für die große Unterstützung bei der Transkription und Auswertung der Daten.